ÄLTERE AUSSTELLUNGEN


2007 DIE KINDER DER HERRGOTTSCHNITZER, Heimatmuseum, Oberammergau

2006 DEN PAPST DURCH DIE AUGEN ANDERER, HOME FROM HOME, München

2006 GOTT IN DEUTSCHLAND, Gruppenausstellung, Kunsthaus Rhenania, Köln

2005 PORTRAITS, Fototage, Mannheim/Ludwigshafen

2005 DIE WOLLPORTRAITS, Galerie HOME FROM HOME, München

2004 UNITED WE STAND - DIVIDED WE FALL, NYC, SIEMENS FORUM, München

2004 DICHTERHANDSCHRIFT - Schriftstellerportraits, MONACENSIA, München

2002 DEUTSCHE AKWs, BAUZENTRUM, München

2000 ECCE HOMO, The making of a passion play, Bayerische Botschaft, Berlin

Letzte Ausfahrt (vor der Autobahn)


Sackgassen, Satellitenschüsseln, Kreisel. Glasbausteine.

An der Stirn der Doppelgaragen: Basketballkörbe. Die Peripherie ist der Ort, an dem die Stadtverwaltungen für gewöhnlich von ihrem Vorrecht Gebrauch machen, Straßen und Plätze in ein Sterberegister all derer zu verwandeln, die sich von politischer, nepotistischer oder bürokratischer Seite aus um das Gemeinwesen verdient gemacht haben: Bürgermeister, Finanzinspektoren, Oberregierungsräte und andere Vertreter der höheren Besoldungsgruppen. B 1 bis B 11. Das Straßenschild soll ihnen die tägliche Auferstehung garantieren. Es kostet sie einen ganzen Vormittag, um sicherzustellen, dass sie dem Gedächtnis der Taxichauffeure aufgezwungen werden. Bitte bringen Sie mich zur Kardinal-Faulhaber-Strasse. Leider nutzen die Ämter aber beflissen jede Saison, um ebenso schamlos wie beliebig umzutaufen. Dann wird aus dem Karl-Scharnagl-Ring (der gegen die Neuzeit abschirmt) der Kurt-Faltlhauser-Weg. Und aus der Montgelasstraße (die zu dessen Zeit wirklich ephemer gewesen ist) der Horst-Seehofer-Wendehammer. Die Unsterblichkeit, hat Schwitters gesagt, ist nicht jedermanns Sache. Das gilt insbesondere für unsere Honoratioren. Inzwischen ziehen kleine Horden verwilderter Alter, denen die Jungen die Rente gepfändet haben, durch die Ruinen der Biotech-Fabriken, die den Übergang von der Stadt zum Land markieren - neben giftig-gelben Rapsfeldern, Wertstoffhöfen, Altglascontainern, ausrangierten Fernsehsendern und Möbelhäusern. Die Reihenhaus-Kolonien sind verwaist und gleichen beim Anflug Briefkästenreihen in Kasernenfluren - nur umgekehrt: Nicht einmal Werbung will hier reingeworfen werden. Teppichstangen, von der Perspektive ineinandergeschachtelt wie russische Puppen, aber die Russen sind längst weggezogen. Der Krieg ist lange her. Dazwischen immer mal wieder Schaukästen mit herabgelassenen Jalousien oder leere Pappschilder, auf denen vor Jahrzehnten Wahlplakate klebten und die nun, nach langen Jahren der Nutzlosigkeit, den Laternenmasten aus Langeweile in den Schwitzkasten genommen haben. Seltsame Welt am Ende der U-Bahn-Trassen. Seit zwölf Jahren lebe ich nun im Wohnwagen. Es geht mir nicht schlecht. Etwas mühsam ist das tägliche Wasser holen. Vom Rückfenster aus sehe ich über den Soldatenfriedhof auf eine ferne Hollywoodschaukel. Die habe ich mir mal näher angesehen. Ein Vorhängeschloss soll verhindern, dass sie gestohlen wird. Dabei lebt in dieser Gegend schon lange keiner mehr. Und wie es aussieht, wird auch nie wieder jemand herkommen.


18. Oktober 2009 © Thomas Palzer

2009 ENDSTATION, SUN GALLERY, München

2008 STUCK re-visited, VILLA STUCK, München

2007 DIE ROTE ZELLE, Künstlerportraits, Kunstverein, München